Evaluation der Wirksamkeit der klärungsorientierten Psychotherapie bei Personen mit einer narzisstischen Persönlichkeitsstörung nach DSM-IV – eine naturalistische Längsschnittstudie mit prä-post Design

Zusammenfassung

Hintergrund Patienten mit einer narzisstischen Persönlichkeitsstörung (NPS) gelten im Rahmen der therapeutischen Arbeit als besonders herausfordernd. Allerdings liegen gut kontrollierte Studien zur Effektivität von Psychotherapie bei NPS-Patienten bislang nicht vor, sodass viele Interventionsprozesse auf theoretischen Konstrukten basieren. Die Klärungsorientierte Psychotherapie (KOP) ist ein psychothera-peutisches Verfahren, welches sich aus Konzepten der Kognitiven Verhaltenstherapie, der Klientenzentrierten Psychotherapie und verschiedenen prozessorien-tierten Verfahren entwickelt hat. Die vorliegende Untersuchung versucht eine Quantifizierung der Effektivität einer psychotherapeutischen Behandlung der NPS per KOP.

Methode und Ergebnisse  Retrospektive Kohorten-Studie. Die prä-post per-Protokoll-Analyse von 173 behandlungssuchenden NPS-Patienten[1] zeigte nach Abschluss der Behandlung (58,6±10,5 Sitzungen) signifikante Verbesserungen von zentralen störungsrelevanten Parametern (mit größtenteils mittleren Effektstärken). Insbesondere das primäre Zielkriterium (d.h. der ehrgeizige/narzisstische Persönlichkeitsziel im „Persönlichkeits-Stil- und Störungs-Inventar“ (PSSI) zeigte eine positive Veränderung (mittlere Effektstärke: d = −0,49 [−0,67; −0,31], p < 0,001). In Bezug auf die Verbesserung depressiver „states“ und „traits“, Neurotizismus sowie der Selbstakzeptanz konnte sogar ein großer Effekt gefunden werden. Die niedrigsten Effektstärken fanden sich bei der Stärkung der Selbstregulation (d = 0,2 [0,03; 0,36], p = 0,02).

Diskussion  Da keine intention-to-treat-Analyse durchgeführt wurde, kann eine Überschätzung der Effektstärken der Behandlung nicht ausgeschlossen werden. Die Ergebnisse deuten an, dass der KOP eine bevorzugte Position bei der Behandlung der narzisstischen Persönlichkeitsstörung eingeräumt werden kann. Aus Sicht der evidenzbasierten Medizin unterstützen die Ergebnisse dieser bisher umfangreichsten Studie zur Psychotherapie der NPS eine Anhebung des Evidenzlevels der Wirksamkeit der KOP bei der Behandlung dieser Störung von Stufe IV auf Stufe III.

Publikation
Fortschritte der Neurologie-Psychiatrie
Benedikt B. Claus
Benedikt B. Claus
Wissenschaftlicher Mitarbeiter

Meine Forschungsfelder umfassen vor allem die Psychotherapie- und Methoden-Forschung.